Texte zu meinen Arbeiten über Ausstellungen ...

„Die Künstlerin schafft es, das Eisen nicht in seiner eigentlich monumentalen Schwere der Masse zu präsentieren, sondern fragil und mit einer Leichtigkeit, die man mit dem Werkstoff an sich nicht verbindet“

Naturähnlichkeit - was heißt das? Es heißt nicht das Regine Rostalski in ihrer Kunst die Natur einfach abbildet oder nachbaut. Vielmehr lässt sie sich anregen von Formen und Prinzipien, die sie in der Natur vorfindet, um als Künstlerin ihr ganz eigenes und unverwechselbares Formen-Alphabet zu entwickeln .

Mit „Raumgespinst“ entwickelt Regine Rostalski im wahrsten Sinne des Wortes ein Kosmos aus Draht und Torf- eine Weltordnung, die abermals aus dem Nichts geboren zu sein scheint, eine Symbiose, die offen lässt, ob der Torf den Draht oder der Draht den Torf für sein Wachstum nutzt...

Die synergetische Kraft, die fähig ist, mit einer Idee, mit einer Linie, mit einem Werk, ein Weltmodell zu geben, ist „Schöpfung“!...ist „Kunst“!...ist darstellende Philosophie“!

...und wenn es diese Disziplin der darstellenden Philosophie nicht gibt, so hat sie Regine Rostalski erfunden.

Sie gehört zu den Künstlerinnen, die:

  1. das Zeichnen im Raum“ beherrschen
  2. zeitgemäße Lösungen für immerwährende Fragen anbieten
  3. Inhalt und Form in anspruchsvoller Ästhetik vereinen

Poetische Synergien Objekte und Installationen- Drahtkunst

Regine Rostalskis bevorzugtes Material ist Eisen. Doch nicht das platte Blech oder der massive Eisenträger finden ihr Interesse als Bildhauerin, sondern das gezogene Eisen - vom dünnen Draht bis hin zum langen Eisenstab. Folglich steht nicht die Fläche oder das Materialvolumen im Vordergrund ihrer künstlerischen Tätigkeit, sondern die Linie. Sie verwendet Draht als Linien und baut daraus ihre Objekte und Installation auf. Zwar entstehen im Ergebnis voluminöse Körper und raumgreifende Skulpturen, im Kern jedoch sind alle Arbeiten aus der Linie heraus entwickelt, bzw. sind nur von der Linie ausgehend zu verstehen...

Ihre Objekte sind das Ergebnis eines längeren und intensiven Formfindungsprozesses...

Die Fragilität gilt insbesondere für ihre Drahtinstallationen, mit denen sie ganze Räume zu füllen vermag...

Die Skulpturen Regine Rostalski sind insgesamt sehr assoziationsreich. Sie erinnern an die Welt der Mikroben und anderer insektenartiger Lebewesen. Aspektreich bevölkern sie die Wand oder beleben den Boden und bieten insgesamt einen mikroskopischen Blick in die Welt der Kleinstlebewesen...

Ihre Drahtobjekte, seien es die gefestigten, geschweißten „Früchte“, die locker geflochtenen „Körbe“ oder die luftigen Drahtgespinste, sind insgesamt Gebilde, die mit gleichsam gefestigter wie auch gelockerter Form den Raum erobern und geradezu beherrschen...

Drahrkunst

Regine Rostalski hat über die Jahre eine starke Sensibilität entwickelt für die verschiedenen Oberflächenreize und Texturen, so dass es ihr gelingt, die von ihr verwendeten und eigentlich recht spröden Materialien in eine andere und vor allem ästhetische Sprache zu übersetzen.

Katalogtext Poetische Synergien Objekte und Installationen Stadtmuseum Beckum 2008

...in Stacheln zu Hause, auf wackeligen Beinen, den Kopf zu voll, auf der Suche nach einem Weg in die Welt...

Im "Raum zeichnen“ ist folgerichtig eine Formulierung, mit der die Künstlerin ihr Arbeiten selbst beschreibt.......

Kaum sieht man in diesen Konstruktionen eine gerade Linie, so gut wie keinen rechten Winkel und dies erzeugt, so meine ich, eine ganz eigene Lebendigkeit, um nicht zu sagen „Natürlichkeit „ der Objekte....Drahtkunst...

Im Grunde ist es ein Pendeln zwischen Konstruktion und Dekonstruktion. Und häufig ist die Dekonstruktion, also das Auseinandernehmen, die Bedingung für etwas Neues. Denn jetzt kommt der Zufall ins Spiel, jetzt erst kann man sich lösen von allzu starren Vorstellungen, jetzt erst beschreitet man ungeahnte Wege, jetzt erst gewinnt der Arbeitsprozess eine eigenen Dynamik, er autonomisiert sich....

...gegensätzliches Wechselspiel mit dem geschlossenen Kellerraum: Ist dieser in schweren Steinen trutzig gemauert, so wirken die Wand- Bodenobjekte der Künstlerin durchsichtig, verletzlich und labil. Den klaren Linien des Raumes begegnen die krakeligen, verästelten,

tentakelgleichen Eisendrähte der Objekte. Die Assoziationsmöglichkeiten sind zahlreich...

„ Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ 

 ..Die Künstlerin zeichnet im Raum, sie eröffnet einen beweglichen, durchlässigen „Raum im Raum“: transparent und transzendent. Trotz der Größe der Installation wirkt sie leicht, und obwohl immer in sanfter Bewegung, wirkt sie ruhig...

...Der Titel Raumgespinst deutet auf das Eigenleben dieser künstlerischen Gebilde hin, deren Formgebung nicht logisch oder gar mathematisch nachvollziehbar sind und damit einen Antagonismus zu den klar konstruierten baulichen Raumgrenzen darstellt.

Drahtkunst

Vielmehr gilt ihre Suche nun seit längerem der aufgebrochenen, sich wandelnden, im Prozess befindlichen Form.

Die verschiedenen Drahtobjekte sind von großer Leichtigkeit und Durchlässigkeit, ihre Grenzen zum Außenraum bleiben offen...

Doch jedes ihrer Objekte- selbst das einfachste- birgt eine Geschichte erzählt von einem Prozess.